Blindenführhund - Nicht jede Rasse ist geeignet

Um einen blinden Menschen mit dem passenden Tier zusammenbringen zu können, werden die Hunde nach Wesensart, Größe und Temperament schon vor der Ausbildung für den jeweiligen Sehbehinderten ausgesucht. Labrador Retriever beispielsweise bringen bereits von Geburt an die notwendigen Eigenschaften für die verantwortungsvolle Aufgabe mit.

Entscheidend ist die Prägung der Welpen: Damit sich diese zu verantwortungsvollen Führhunden entwickeln, setzen die Schulen auf Patenfamilien. Dank liebevoller Betreuung erlernen die jungen Tiere beim Zusammenleben mit den Menschen soziales Verhalten.

Die Ausbildung des Tieres erfolgt größtenteils praxisnah, das heißt, die Ausbilder arbeiten mit den Tieren nicht auf künstlichen Parcours, sondern trainieren direkt in der Stadt. Mit Hilfe der erlernten Hörzeichen wie "such voran" oder "such Ampel" schützen die Tiere ihren späteren Halter unter anderem vor Hindernissen am Boden, seitlich oder in Kopfhöhe. Auch Zebrastreifen und Treppen lassen sich so überwinden. Der Hund führt zu Verkehrsmitteln, freien Sitzplätzen sowie Ein- und Ausgängen und Automaten.

Arbeitstier ist Familienmitglied
Nach Abschluss der Ausbildung erfolgt eine zwei- bis dreiwöchige Einarbeitung mit dem Sehbehinderten. Das Tier soll vom neuen Halter keinesfalls - wie andere Mobilitätshilfen - als Gebrauchsgegenstand, sondern vielmehr als Familienmitglied betrachtet werden. Nach einer ersten Woche in der Schule folgt die Eingewöhnung im neuen Heim. Neben der Führarbeit wird dem zukünftigen Halter in dieser Phase auch ein Grundwissen über Haltung, Pflege, Fütterung und mögliche Hundekrankheiten seines neuen Gefährten vermittelt.

Mit dem Anlegen des Führgeschirrs ist der Hund im Dienst und hört auf die erlernten Kommandos. Angefangen von einfachen Spaziergängen bis zum Durchqueren der Stadt im Berufsverkehr lernt der Sehbehinderte, sich mit seinem Tier sicher zu bewegen. Den Abschluss bildet die sogenannte "Gespannprüfung". Doch auch danach, während der Nachbetreuungsphase, besucht der Ausbilder das neue "Team" regelmäßig zu Hause, um eventuell auftretenden Problemen wirksam zu begegnen.

Die Kosten für einen ausgebildeten, kastrierten, gesunden und tierärztlich untersuchten Blindenführhund liegen zwischen 15.000 und 16.000 Euro. Hündinnen und Rüden müssen kastriert sein, damit keine Ablenkung durch Geschlechtstrieb erfolgt. Voraussetzung für den Erhalt eines Blindenhundes: Der Sehbehinderte muss dem Kostenträger sowohl eine ärztliche Verordnung als auch einen Kostenvoranschlag der Blindenführhundschule seines Vertrauens vorlegen.

www.seh-netz.org Überblick über Blindenführhundschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz





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